E-Roller erobern Deutschland

24.06.2019 - 15:12

E-Roller oder Elektro-Scooter gehören inzwischen vor allem in den urbanen Milieus zum Lifestyle...

E-Roller oder Elektro-Scooter gehören
inzwischen vor allem in den urbanen
Milieus zum Lifestyle. Ein Problem ist die
rechtliche Lage. Es ist so, dass kleine Elektrofahrzeuge
in Deutschland noch nicht
auf öffentlichen Straßen zugelassen sind,
obwohl sie jetzt schon beim Elektro-Discounter
erhältlich sind. Im Gegensatz
zu einigen Nachbarländern und großen
Teilen der USA ist die Legalisierung nun
aber auch hier in Reichweite: Nun hat der
Bundesrat die vom Bundesministerium für
Verkehr und digitale Infrastruktur eingeführte
Elektro-Kleinfahrzeug-Verordnung
(eKFV) genehmigt. Der Frage, wo Elektroroller
bald fahren dürfen, ging aber eine
hitzige Debatte voraus. Entgegen den
ursprünglichen Plänen sollen Elektroroller
nicht auf Fußwegen, sondern auf Radwegen
fahren dürfen. Eine Helmpflicht
soll nicht bestehen, auch ein Mopedführerschein
wird nicht benötigt. Im Gegensatz
zum Rad werden auch die neuen
E-Scooter versicherungspflichtig sein.
Die Bundesregierung sieht in den Rollern
ein neues Transportmittel für den
letzten Kilometer von der Bus- oder
U-Bahn-Station zum Ziel. Die Deutsche
Bahn bestätigte, dass die Fahrgäste
den Elektroroller kostenlos mitnehmen
dürfen. Vermietungsunternehmen, insbesondere
in Städten, stehen daher in
den Startlöchern für das neue Geschäftsmodell
und setzen auf Masseneinsatz.
Der Verband für Umwelt und Naturschutz
warnt allerdings vor Nachteilen für Radfahrer
bei der Registrierung von Elektrorollern.
Christopher Spering, Leiter der
Präventionsabteilung der Deutschen Gesellschaft
für Orthopädie und Unfallchirurgie,
warnte in der Zeitung vor einem
deutlich erhöhten Verletzungsrisiko.
Ausland USA und Paris
Der tägliche Verkehrseinbruch auf den
Autobahnen der Megacity Los Angeles,
die 12-spurige Fahrspur durch die Mitte
von Houston, der Stillstand am Times
Square in New York - all das spricht für
sich. Selbst in der vielleicht automobilfreundlichsten
Nation der Welt findet
langsam ein Umdenken statt. Amerikanische
Städte sind, so scheint es, vor allem
Autostädte. In San Francisco sind die
E-Roller nach einem chaotischen Start
sogar wieder vorübergehend verschwunden.
Bikeshare-Programme wie Citibike
in New York in den letzten zehn Jahren
waren ein voller Erfolg: 70.000 Menschen
nutzen das System täglich. Darüber
hinaus können nun in 100 US-Städten
von Dallas bis Los Angeles rund 85.000
E-Scooter gemietet werden. Fast das gesamte
Wachstum im nicht automobilen
Nahverkehr im Jahr 2018 wurde durch
E-Scooter verursacht. Im größten und
begehrtesten Markt der USA, Manhattan,
bleiben die E-Scooter jedoch illegal.
In Paris gehören E-Roller schon seit längerem
zum Stadtbild - und sorgen mittlerweile
für einigen Ärger. Besonders
rücksichtslos geparkte oder verlassene
Miet-Roller verursachen Probleme.
Sharing
Elektroroller erfreuen sich wachsender
Beliebtheit, kosten aber viel Geld. Daher
gibt es mittlerweile eine ganze Reihe
Sharingdienste. In Städten hat E-Roller-
Sharing daher das Potenzial, ganze
Wirtschaftsbereiche nachhaltig zu verändern.
Die US-Start-Ups Lime und Bird dominieren
mittlerweile den US-Markt und
fahren bereits in mehreren europäischen
Großstädten. (og)