„New Work“ stellt veränderte Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte

08.11.2019 - 09:44

Arbeiten in der digitalen Welt

Die Digitalisierung ist in vollem Gange - und stellt auch in der Arbeitswelt lange Vertrautes auf den Kopf. Big Data, künstliche Intelligenz und Co. verändern die Anforderungen an Mitarbeiter. Laptop, Smartphone oder ein internes Social-Web ermöglichen flexibles Arbeiten jenseits von festen Bürozeiten oder Zeitzonen und unabhängig von Firmenzentralen. Moderne Unternehmen arbeiten heute dezentral und in Projektstrukturen, die das alte Abteilungsdenken ablösen. Als Folge dieser Entwicklungen werden viele bisher zentrale Führungsaufgaben auf die jeweiligen Teams verteilt - das bietet vielfältige Chancen, erfordert allerdings auch eine neue Art der Führungskultur.

Der Chef als Visionär und Mentor
Die wichtigste Voraussetzung für „New Work“ ist eine Kultur, die Führung mit Vision verbindet. „Mitarbeiter beschäftigen sich immer stärker mit dem Zweck ihres Unternehmens und der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Hier sind Führungskräfte gefordert, sie werden zum Visionär und Mentor“, erklärt Andrea Wolters, Marketingchefin der Adecco Group in Deutschland. Damit das Arbeiten in der neuen Arbeitswelt funktioniert, müssen Führungskräfte dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen - gerade bei wechselnden und weit auseinanderliegenden Arbeitsorten. Dazu, so die Expertin weiter, gehöre auch die Organisation des persönlichen Austausches: „Nicht alles lässt sich nun einmal per Videokonferenz besprechen.“ Neben dem Projektziel ist es genauso wichtig, sich im Team auf ein gemeinsames Verständnis zu einigen, wie man mit Verantwortlichkeiten oder Freiräumen umgeht.

Flexibilität ist Trumpf beim Arbeiten 4.0
In der Arbeitswelt 4.0 wird Flexibilität zu einem entscheidenden Faktor. Das hat Konsequenzen für den Arbeitsmarkt: So wächst beispielsweise der Anteil an Freelancern stetig an. Um den wachsenden Bedarf an flexiblen Fachkräften zu decken, hat etwa die Adecco Group mit Modis eine neue Marke mit den Geschäftsbereichen IT, Life Science und Engineering etabliert. Insgesamt befinden sich bereits rund 3.500 Freelancer mit entsprechenden Kompetenzen im Kandidatenpool. Zum flexiblen Arbeiten gehört aber auch Vertrauen, betont Andrea Wolters weiter: Vorgesetzte müssten bereit sein, bei Arbeitszeit und Arbeitsort Kontrolle abzugeben, wenn sich Mitarbeiter und Freiberufler in Projektteam immer stärker selbst organisieren. „Das setzt großes Vertrauen in die Mitarbeiter voraus und überträgt Eigenverantwortung an sie“, so die Expertin. Am Ende zählt dabei nur das Team-Ergebnis - nicht der Weg dahin. (djd)

Mit dem Dienst-Tablet unterwegs
Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist längst in vollem Gange: Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten heute beispielsweise die Möglichkeit, mit dem dienstlichen Handy, Tablet oder Notebook auch unterwegs zu arbeiten. Das kann praktisch sein, um E-Mails zu schreiben und Anrufe zu tätigen. Und auch viele andere Dinge wie das Führen des Fahrtenbuchs oder die Organisation von Aufträgen lassen sich mit den richtigen Apps inzwischen bequem erledigen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, wie die Nutzung der Geräte genau geregelt ist. „Ohne Genehmigung des Vorgesetzten darf beispielsweise das Diensthandy nur geschäftlich verwendet werden“, weiß Petra Timm vom Personaldienstleister Randstad. Duldet der Betrieb die private Nutzung, bedeutet das nicht, dass Arbeitnehmer ständig erreichbar sein müssen – es sei denn, sie haben Rufbereitschaft. Außerhalb der Arbeitszeiten braucht das Smartphone nicht angeschaltet zu sein. Wichtig ist auch die Einhaltung des Datenschutzes: Vertrauliche Daten auf den Geräten müssen vor dem Zugriff Fremder geschützt sein. (txn)

Digitalisierung verändert Arbeitsplätze
Die Digitalisierung hat den Alltag und die Arbeitsplätze verändert. Und sie ist im vollen Gang: Teilautonome Fahrzeuge, automatisierte Fertigungsanlagen und Meetings via App. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt ein Großteil der Befragten aus Betrieben mit mindestens 50 Mitarbeitern an, im Arbeitsalltag digitale Informations- und Kommunikationstechnologien zu nutzen. Vor allem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte profitieren durch die neuen Medien und werden vom Arbeitgeber dafür oft mit mobilen Geräten wie Smartphone und Tablet ausgestattet. „Arbeitnehmer sind mehr denn je gefordert, sich ständig weiterzubilden, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Aber auch Arbeitgeber sollten ihren Teil dazu beitragen, indem sie sie optimal schulen oder Weiterbildungsmaßnahmen anbieten“, rät Petra Timm vom Personaldienstleister Randstad. „Langfristig profitieren davon alle: Der Chef kann sich auf qualifizierte Profis verlassen und die Arbeitnehmer entwickeln sich weiter und verlieren in ihrem Job nicht den Anschluss.“ Übrigens: Die Digitalisierung schafft auch ganz neue und bequeme Möglichkeiten der Weiterbildung von zu Hause. Web- und computerbasierte Lernformen können von Interessierten räumlich und zeitlich flexibel genutzt werden. Multimediale Inhalte erleichtern dabei das Lernen und veranschaulichen komplexe Themen für ein schnelleres Verständnis. (txn)

Die neuen Berufe der Digitalisierung
Alte Berufe verschwinden, neue entstehen. Das war zwar schon immer so, heute sorgt die Digitalisierung allerdings für eine Beschleunigung. Gefährdet sind Berufe, die von Computern und Robotern übernommen werden können. Gleichzeitig gibt es aber auch neue Berufe mit viel Potenzial. So ist beispielsweise der E-Commerce-Kaufmann schon seit 2018 ein offizieller Ausbildungsberuf. Und auch der Social Media-Hype braucht Fachleute wie Content Manager oder Online-Marketing-Spezialisten. Ein weiterer Zukunftsberuf mit enormem Potenzial ist der Data Scientist. „Wer leidenschaftlich gern programmiert und sich für Mathematik, Informatik, Statistik, Datenschutz und IT-Sicherheit interessiert, dem stehen heute als Data Scientist viel Türen offen – und zwar weltweit“, weiß Petra Timm, Unternehmenssprecherin des Personaldienstleisters Randstad Deutschland. Da mittlerweile alle Branchen in großem Umfang Daten sammeln, ist der Bedarf nach Spezialisten, die diese Daten auswerten können, enorm groß. (txn)