Stockholm - ein Wintermärchen

04.02.2015 - 14:15

Viele Menschen haben – dank Astrid Lindgren oder gewissen TV-Romanzen am Sonntagabend - Schweden im Sommer vor Augen. Aber aus unserer Sicht ist die Hauptstadt Schwedens auch im Winter auf jeden Fall eine Reise wert!

Ein tolles Angebot für einen Kurzbesuch in der schwedischen Hauptstadt ist die sogenannte Stockholm Karte. Für Erwachsene kostet sie für 48 Stunden z.B. 675 Kronen und beinhaltet freien Eintritt in etwa 80 Museen, die kostenlose Nutzung des ÖPNVs, ausgewählte kostenlose Stadtführungen zu Fuß, mit dem Rad oder per Boot sowie Ermäßigungen auf bestimmte andere Attraktionen. Am besten kauft man sich die Stockholm Karte schon bei der Touristeninformation am Flughafen Arlanda, den fast alle großen Fluglinien aus Deutschland anfliegen. Die netten Schwedinnen am Schalter dort versorgen einen auch gleich mit dem dazugehörigen Informationsmaterial, so dass man den Kurzurlaub gut planen kann. Da die Schweden in der Regel sehr gut Englisch sprechen, stellt die Kommunikation für die meisten Besucher der Hauptstadt kein Problem dar.

Schwedisch ist übrigens, wie auch Norwegisch oder Dänisch, eine nordgermanische Sprache. Auffällig ist die Ähnlichkeit zu niederdeutschen Dialekten (so heißt `Guten Morgen` auf Schwedisch `God morgon` oder `Die Rechnung bitte` `Kann jag betala, tack`) sowie der Buchstabe å bzw. Å, den wir im Deutschen nicht haben und der wie ein o ausgesprochen wird. Mit etwas Phantasie kann man als Besucher viele schwedische Wörter auf Schildern ganz gut lesen; schwieriger ist es jedoch, die gesprochene Sprache zu verstehen oder gar zu sprechen. Mit wichtigen Wörtern und Ausdrücken, wie z.B. `Hej` oder `Hej då` für `Hallo` und `Auf Wiedersehen`, kann man seine schwedischen Gesprächspartner aber sicherlich dennoch erfreuen. Stockholm ist mit gut 850.000 Einwohnern die größte Stadt in Skandinavien. Dreißig Prozent der Stadtfläche ist Wasser und ein Meerbusen umschließt die Stadt mit Buchten, Landzungen und Inseln.

Bedingt durch die geographische Lage – die Stadt liegt fast so nördlich wie Anchorage in Alaska - sind die Stunden in Stockholm im Winter zwischen Sonnenaufgang und –untergang gezählt. So liegen z.B. am kürzesten Tag des Jahres, dem 21. Dezember, nur gut sechs Stunden zwischen den beiden Ereignissen. Man sollte also das wenige Tageslicht auf jeden Fall nutzen. Besonders zu empfehlen sind natürlich Spaziergänge am Wasser. Hier bieten sich unter anderem Skeppsholmen oder Djurgården an, denn beide (Halb-)Inseln haben eine Promenade und ermöglichen schöne Ausblicke auf die Altstadt Stockholms. Wenn man Glück hat, ist die Ostsee im Winter sogar zugefroren und man kann Spaziergänge auf dem Eis unternehmen oder sich mal wieder auf Schlittschuhen probieren.

Außerdem kann man, selbst bei Minustemperaturen und Eisgang, eine Bootstour unternehmen. Von Weihnachten bis zum Anfang April fahren täglich Eisbrecher-Ausflugsschiffe von Strömkajen ab. Die auf Schwedisch und Englisch kommentierte Fahrt dauert ca. 75 Minuten und dick eingepackt kann man an Deck die Fahrt bis nach Fjäderholmarna, einer Insel, die im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische ist, genießen. Felle und Glühwein, Suppe oder heißer Kaffee halten einen während der Fahrt warm. Leider ist die Wintertour nicht Teil der Stockholm Karte, aber aus unserer Sicht war sie dennoch jede Krone wert!

Im Dezember und auch noch Anfang Januar ist die Stadt wunderbar weihnachtlich geschmückt: Überall erhellen Lichter die Fenster, Straßen und Plätze und erzeugen eine urgemütliche Atmosphäre. Am Rande der Altstadt Gamla Stan wird zudem seit vielen Jahren ein riesiger Weihnachtsbaum aufgestellt und königlich mit etwa 5.000 Lichtern, Zuckerstangen, Pfefferkuchen und Kugeln geschmückt. Für den Baum wird eine große, grade gewachsene Tanne in den Wäldern Schwedens geschlagen. Anschließend werden alle Zweige entfernt und neue Zweige von anderen Bäumen am Stamm befestigt. Auf diese Weise entsteht ein überdurchschnittlich dichter und üppiger Baum von 40m Höhe. Der Baum ist so beeindruckend, dass er mehrere Jahre in Folge zum schönsten Weihnachtsbaum Schwedens gewählt worden ist und nun nicht mehr teilnehmen darf, da kein anderer Baum sonst je eine Chance hätte.

Unweit des Weihnachtsbaumes befindet sich das königliche Schloss mit seinen über 600 Zimmern. Angeblich hat es ein Zimmer mehr als der Buckingham Palace in London. Hier arbeitet das schwedische Königspaar Karl Gustav und Sylvia allerdings nur; die Royals wohnen etwas außerhalb der Hauptstadt in Drottningholm. Anders als der Buckingham Palace steht das königliche Schloss in Stockholm täglich Besuchern offen. Im Winter bietet sich der Besuch aber nicht nur zum Aufwärmen an: Man kann z.B. zahlreiche Zimmer besichtigen und erfährt viel über die Nutzung der Räume in der Vergangenheit und Gegenwart. Die Einrichtung stammt aus ganz verschiedenen Epochen. Wenn gerade keine Staatsgäste zu Besuch sind kann man sich z.B. auch den Gästetrakt anschauen. Hier kann man sehen, in welchem Bett einst Johannes Rau oder Tito geschlafen haben. Ungewöhnlich ist sicher auch ein ganz modern eingerichteter Raum im schwedischen Stil für Empfänge. Man sollte versuchen, den Besuch im Schloss mit der Wachparade und der täglichen Wachablösung vor dem Schloss zu verbinden. Diese Ereignisse finden immer in der Mittagszeit statt. Es wird gemunkelt, dass die Wachparade im Sommer mit Musik durch die Gassen bis zum Schloss reitet und dass sie hin und wieder auch mal ein Medley mit ABBA Songs spielen. Im Winter muss man auf dieses Spektakel verzichten, kann aber natürlich das berühmte ABBA Museum der Stadt besuchen.

Das ABBA Museum befindet sich auf der Halbinsel Djurgården und zeigt in einem interaktiven Kontext z.B. glitzernde Kostüme, Artefakte, Fotos und Interviews von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid. 8 TRAVELLOG | SOLsnap.com Die Gruppe eroberte zwischen 1972 und 1983 die Popwelt im Sturm und ist bekannt für Hits wie „Dancing Queen“ oder „Knowing me,Knowing you.“ Es ist ulkigerweise ein bargeldloses Museum, d.h. man kann ausschließlich mit Karte bezahlen. In der Ausstellung kann man mit Hologrammen von ABBA singen und tanzen oder auch Karaoke singen. Aufgenommene Fotos und Videos können bei Facebook und anderen sozialen Medien eingestellt werden. Im angeschlossenen Souvenirladen erhält man alles, was das Herz des ABBA-Fans begehrt – bis hin zu einem blauen Wollknäuel mit Glitzer und einer Strickanleitung für Agnethas legendäre Strickmütze. Auch ein Besuch des berühmten Vasa Museums darf bei keinem Besuch in Stockholm fehlen. Es liegt neben dem Nationalmuseum auch auf der Halbinsel Djurgården und ist z.B. mit der Straßenbahn 7 leicht zu erreichen. Das Museum ist einzigartig, denn nirgendwo sonst auf der Welt kann man ein so riesiges, gut erhaltenes Segelschiff bestaunen. Die Vasa ist fast 70 m lang, fast 12 m breit und vom Kiel bis zur Spitze der Flaggenstange am Mast über 52 m hoch! Sie war, bestückt mit zahlriechen Verzierungen und 64 Kanonen auf zwei Decks, im Jahr 1628 zu ihrer Jungfernfahrt aufgebrochen und nur etwa 20 Minuten später gesunken. Vermutlich lag der Fehler in der zu schmalen und zu hohen Bauweise des Schiffes. Über 300 Jahre lag das Schiff auf dem Grund im Schlamm. Dann wurde es von dem Ingenieur Anders Franzén entdeckt und sollte geborgen werden. Doch wie? Mit so großen und alten Schiffswracks gab es keinerlei Erfahrungen und es gab zunächst zahlreiche phantasievolle Vorschläge: Man könnte die Vasa in einen Eisblock einfrieren und warten, bis sie von selbst an die Oberfläche steigt. Oder man könnte sie mit Tischtennisbällen befüllen… Die Vasa wurde schließlich über einen längeren Zeitraum mit Hilfe von Stahltrossen langsam gehoben, schrittweise abgedichtet und gesäubert. 333 Jahre nach dem Sinken wurde die Vasa in ein Dock bugsiert, über viele Jahre konserviert und man baute bis 1990 das heutige Museum quasi um den Dreimaster herum. Durch die einzigartige Konservierung des Segelschiffes ermöglicht das Museum fantastische Einblicke in das Leben an Bord und an Land zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Ebenfalls empfehlenswert ist es, sich die Stadt einmal von oben anzugucken. Stockholm bietet hier gleich zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man die 155m hohe Plattform des Fernsehturms Kaknästornet besuchen. Bei gutem Wetter kann man von hier bis zu 60 Kilometer weit gucken. Die zweite und wohl außergewöhnlichere Möglichkeit ist eine Fahrt mit dem SkyView. Zwei gläserne Gondeln, die – abgesehen von den Schienen- an das London Eye erinnern, befördern jeweils eine Kleingruppe auf das Dach einer runden Veranstaltungshalle im Süden der Stadt. Die Fahrt endet auf 130 m Höhe über dem Meeresspiegel und ermöglicht ebenfalls einen tollen Blick auf die wasserreiche Metropole.

Bei trockenem Wetter lohnt sich sicherlich auch im Winter ein Besuch in Skansen, dem größten Freilichtmuseum der Welt. Skansen ist riesig und man durchwandert Schweden quasi von Nord nach Süd und bekommt Einblicke in die Kulturgeschichte des Landes über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten. So kann man z.B. über 150 Häuser und Bauernhäuser aus ganz Schweden besichtigen und viel über das Leben und Kunsthandwerk der Menschen lernen. In dem Museum werden Feste wie Weihnachten oder Neujahr auf traditionelle Weise gefeiert. Im Dezember gibt es zudem einen Weihnachtsmarkt mit Liedern und Tanz um den Weihnachtsbaum, was man aus unserer Sicht auf keinen Fall verpassen sollte!

Ein anderer Weihnachtsmarkt befindet sich ab Ende November am Stortorget in der historischen Altstadt Gamla Stan. Dieser Markt erzeugt schon aufgrund seiner Lage einen sehr stimmungsvollen Eindruck.

Sollten die Füße kalt werden, kann man dem Nobelmuseum, welches ebenfalls am Stortorget liegt, einen kurzen Besuch abstatten. Das Museum ist nicht besonders groß, und wir empfehlen zu Beginn des Besuches einem Kurzvortrag über Alfred Nobel zu lauschen. Dieser Mann, der übrigens das Dynamit und viele andere Dinge erfunden hat, hat in seinem Testament verfügt, dass aus seiner Stiftung jedes Jahr Preise in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden verliehen werden sollen. Hinzugekommen ist später dann ein weiterer Preis im Bereich Wirtschaft. In dem Museum werden die aktuellen Preisträger sowie einige andere mit ihren Visionen vorgestellt. Ein paar einzigartige Objekte und Filme machen das Museum anschaulich.

Jedes Jahr am 10. Dezember werden die Nobelpreise feierlich verliehen und die Preisträger wohnen im altehrwürdigen Grand Hotel direkt am Wasser. In der Hotellobby hat man am frühen Abend einen tollen Blick auf die beleuchtete Stadt und kann sich dort mit einem warmen Getränk aufwärmen. Ein langes Wochenende im Winter bietet einem schon großartige Möglichkeiten, die schwedische Hauptstadt ganz gut zu erkunden. Die kalten Temperaturen und ggf. der Schnee und das Eis sind mit warmen Winterklamotten kein Problem und erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre. Unsere Reise war auf jeden Fall ein wahres Wintermärchen!