Tasmanien

08.11.2019 - 08:41

Etwa 16.600 Kilometer südöstlich von Hameln, am anderen Ende der Welt, liegt Tasmanien, welches ich in dieser Ausgabe des Magazins vorstellen möchte...

Etwa 16.600 Kilometer südöstlich von Hameln, am anderen Ende der Welt, liegt Tasmanien, welches ich in dieser Ausgabe des Magazins vorstellen möchte.

A wie Abel Janszoon Tasman
Abel Janszoon Tasman gilt als der Entdecker Tasmaniens. Tasman wurde 1603 in Lutjegast in der Nähe von Groningen geboren. Er heuerte in den 1630er Jahren bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie an und verbrachte viele Jahre seines Lebens in der Ferne.  1642 erhielt der Niederländer von dem Repräsentanten der niederländischen Ostindien-Kompanie, Anthony van Diemen, den Auftrag, die Terra Australis, den südlichen Kontinent, zu finden. Die Ostindienkompanie wollte auf diese Weise ihren Einflussbereich ausdehnen. Abel Janszoon Tasman und seine Männer sollten auf der Reise alle entdeckten Territorien und Inseln für die Kompanie in Besitz nehmen. Zwei Schiffe wurden für die Reise vorbereitet: die „Zeehaen“ und die „Heemskerck“. Tasman startete in Batavia, dem heutigen Jakarta, und nahm zunächst Kurs auf Mauritius vor der afrikanischen Küste und segelte dann in Richtung Süden bis zum 49. Breitengrad. Danach nahmen die Schiffe Kurs auf Nordost, wobei Tasman die Westwinde, die in dieser Region vorherrschen, ausnutzte. Am 24. November erreichte die Expedition das vermeintlich ersehnte Land. Tasman glaubte nämlich, die Südküste Australiens erreicht zu haben und nannte seine Entdeckung Van-Diemens-Land. Abel Janszoon Tasman segelte weiter nach Neuseeland und zu den Tonga Inseln, bevor er 1643 nach Batavia zurückkehrte. Nur ein Jahr später machte sich der Niederländer erneut auf die Suche nach dem ominösen Kontinent Terra Australis und segelte u.a. durch die Torresstraße zwischen Australien und Neuguinea. In seinem Leben hat Abel Janszoon Tasman, ohne es selbst zu wissen, als Erster den gesamten australischen Kontinent umfahren und damit den fünften Erdteil entdeckt. Um seine Verdienste zu würdigen, wurde die Insel im 19. Jahrhundert nach ihm benannt sowie auch die Meeresstraße zwischen Australien und Neuseeland. Es gibt heute auch einen „Abel Tasman National Park“ in Neuseeland mit dem fast 3.500 Meter hohen Berg „Mount Tasman“. Nach Tasmans Tod interessierten sich die Niederländer nicht wirklich für Australien, denn sie stuften eine Kolonialisierung als nicht lohnenswert ein. Sie nahmen die neu entdeckten Ländereien noch nicht einmal formell in Anspruch. Damit ließen sie den Engländern die Möglichkeit, Australien zu kolonisieren.

I wie Insel
Tasmanien ist eine Insel, die etwa 250 Kilometer südlich von Australien liegt. Die Insel ist Australiens größte Insel und gleichzeitig ein Bundesstaat. Die Größe ist in etwa vergleichbar mit Irland, denn Tasmanien hat ebenfalls eine Fläche von ungefähr 70.000 Quadratkilometern. Es gibt insgesamt sechs australische Bundesstaaten (Western Australia, Queensland, New South Wales, Victoria, South Australia und Tasmanien) sowie zwei sogenannte Territories (Northern Territory und Australian Capital Territory). Die Insel hat etwa eine halbe Million Einwohner und in Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien, leben etwa 215.000 Menschen – also fast die Hälfte der Tasmanier. Von Sydney – der wohl bekanntesten australischen Stadt, die aber nicht die Hauptstadt des Landes ist – fliegt man etwa 90 Minuten bis Hobart. Tasmanien hat keinen internationalen Flughafen, so dass man die Insel immer mit mindestens einem Zwischenstopp erreicht. Man kann Tasmanien auch mit der Fähre erreichen, denn es gibt eine Direktverbindung zwischen Melbourne und Devonport. Die Überfahrt dauert etwa 9 Stunden und 30 Minuten und die Schiffe der Reederei Spirit of Tasmania fahren die Route täglich. Wenn man die Insel erreicht hat, dann sollte man entweder mit dem Auto oder dem Bus reisen, denn in Tasmanien gibt es eigentlich keine Eisenbahn.  Lediglich die West Coast Wilderness Railway transportiert täglich Touristen zwischen Queensport und Regatta Point auf einer wiederbelebten Strecke hin und her. Die Fahrt ist zwar nicht ganz günstig, aber es lohnt sich, denn die Trasse führt durch wunderschöne Natur. Die Insel Tasmanien hat insgesamt 19 Nationalparks und ist sehr gebirgig. Die beste Reisezeit sind die Monate von November bis April – also Sommer und Herbst - und der Zeitunterschied zwischen Hameln und Tasmanien beträgt acht Stunden; da Tasmanien in der östlichen Hemisphäre liegt (Hobart liegt bei 42°52` südliche Breite und 147° 19´östliche Länge), ist es in Tasmanien immer acht Stunden früher als bei uns. Südlich der Insel liegt übrigens erst einmal nur der Ozean. Und nach unglaublichen fast 7.000 Kilometern erreicht man die Antarktis...

E wie Englisch
Natürlich spricht man in Tasmanien, wie auch im Rest Australiens, Englisch. Aber das Englisch unterschiedet sich durchaus von dem Schulenglisch, welches die Leserinnen und Leser dieses Magazins vermutlich in der Schule gelernt haben. Der Australier spricht i.A. nasaler als die Engländer und neigt dazu, das Ende vom Satz zu betonen. Außerdem lieben die Australier Abkürzungen. So bezeichnen sie sich nicht als „Australians“, sondern als „Aussies“. „Chrissie“ (Christmas) feiern sie am 25. Dezember und gerne auch mit einem „barbie“ (für BBQ). Der „hubbie“ (husband) kann dann seine Grillkünste zum Besten geben. Die Australier sprechen auch nicht von „Tasmania“, sondern von „Tassie“…

P wie Port Arthur
Die tasmanische Ort Port Arthur liegt etwa 120 Kilometer von Hobart entfernt auf der Tasman Peninsula. Peninsula bedeutet Halbinsel, und die 400 Meter lange Landbrücke, die Port Arthur mit dem Rest der Insel verbindet, ist an der schmalsten Stelle gerade einmal circa 30 Meter breit.  In Port Arthur gab es im 19. Jahrhundert, von 1833 bis 1853, die größte Sträflingskolonie von ganz Australien! Es war ja zu der Zeit so, dass die Gefängnisse in Großbritannien aus allen Nähten platzten und man die sogenannten convicts ans andere Ende der Welt verschiffte. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden in Australien tausende Strafanstalten für zehntausende Männer, Frauen und auch Kinder, die in Großbritannien zum Teil wegen Bagatelldelikten verurteilt worden waren.  Jede Strafanstalt diente einem bestimmten Zweck. Das Gefängnis Port Arthur war bekannt für die „stille Strafe“, denn die Gefangenen durften nicht miteinander kommunizieren und ihre fensterlosen Zellen so gut wie nie verlassen. Für den Kirchenbesuch wurden sie einzeln ins Gotteshaus geführt und mussten dort in so etwas wie Kabinen sitzen, damit sie weder Blick- noch Körperkontakt mit den Mitgefangenen aufnehmen konnten.  Durch die oben beschriebene Lage Port Arthurs sowie die Hunde, die auf dem Gelände Wache schoben, war das Gefängnis extrem sicher. Nichtsdestotrotz versuchten einige Insassen der Hölle zu entkommen, und der wohl bekannteste Fluchtversuch ist der von Billy Hunt, der sich – als Känguru verkleidet – hüpfend aus dem Staub machen wollte. Aber auch ihm gelang die Flucht nicht, denn ein Wärter wollte das Tier erschießen und verspeisen, was dazu führte, dass Billy Hunt sich ergab. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht, eine geführte Tour in Port Arthur zu buchen, denn dann erhält man – ganz anschaulich - viele Informationen über diesen Ort, den die UNESCO 2010 zu einer Welterbestätte ernannt hat. Insgesamt wurden vor neun Jahren elf ehemalige australische Sträflingsstätten mit diesem Titel versehen, und da in Tasmanien fünf ausgezeichnete Gefängnisse liegen, gibt es auf der Insel seitdem auch einen sogenannten „Sträflingstourismus“.  Die elf Stätten, die den Titel verliehen bekommen haben, sind ein Gedenken an die umfangreiche Sträflingsdeportation und gleichzeitig ein Nachweis der kolonialen Expansion der europäischen Mächte durch die Präsenz und Arbeit der verschifften Sträflinge.

T wie Tasmanischer Teufel
Tasmanische Teufel (Tasmanian Devil) gibt es eigentlich nur in Tasmanien. Es sind ganz besondere Tiere, denn die schwarz-braunen Raubbeutler, die bis zu acht Kilogramm wiegen können, bekommen bei Aufregung rote Ohren. Zudem sondern sie in solchen Situationen einen unangenehmen Geruch ab und fangen tierisch laut an zu kreischen. Sie sehen schlecht, sind gedrungen und kräftig, und ihre Vorderbeine sind länger als die Hinterbeine. Ihre Zähne sind dafür sehr kräftig, und sie können sogar Knochen durchbeißen! Wenn sie noch jung sind, dann leben die Teufel in der Regel auf Bäumen. Wenn sie ausgewachsen sind, dann sind sie für die Bäume zu schwer und sie leben auf dem Boden. Die Tiere sind nachtaktiv und verspeisen ihre Beute gerne vollständig. Die allererste Phase ihres Lebens – etwa 100 Tage - verbringen die Tasmansichen Teufel im Beutel der Mutter; dort wandern sie – noch extrem winzig – direkt nach der Geburt hin. Das ist bei allen Beuteltieren so.  Bis in die 1930er Jahre wurden die Tasmanischen Teufel intensiv gejagt, seit den 1940er Jahren sind sie aber geschützt. Wenn man Tasmanien bereist, dann könnte man zum Beispiel den Tasmanian Devil Unzoo aufsuchen, den ersten Unzoo der Welt. Er befindet sich in der Nähe von Port Arthur und damit etwa eine Stunde südöstlich von Hobart. Anders als in einem Zoo werden die Tiere in einem Unzoo nicht eingesperrt oder eingezäunt; die Menschen besuchen den natürlichen Lebensraum der Tiere und das Konzept des Zoos, so wie wir ihn kennen, wird auf den Kopf gestellt. Die Idee für den Unzoo hatten zwei Freunde, John Coe und Ray Mendez, die beide Zoodesigner sind.

M wie Museum
Das National Automobile Museum of Tasmania hat sich auf die Fahne geschrieben, Autos und Motorräder, die für die australische Geschichte eine Rolle spielen, zu zeigen. Es handelt sich bei den Exponaten um Fahrzeuge aller Art und selbst, wenn man sich – wie ich - eigentlich nicht für Autos und Motorräder interessiert, ist das Museum einen kurzen Stopp wert, denn die Exponate sind sehr liebevoll ausgewählt und das Museum ist überschaubar. Natürlich gibt es auch den ein oder anderen Volkswagen am anderen Ende der Welt zu entdecken, so dass alle VW-Fans aus dem Weserbergland auch auf ihre Kosten kommen sollten.
Ein anderes Museum in Tasmanien ist das MONA, das Museum of Old and New Art, welches man nicht mit dem New Yorker MoMA Museum verwechseln sollte, dem Museum of Modern Art, obwohl beide Museen sich der Kunst gewidmet haben. Das MONA liegt im Weingebiet Moorilla und es handelt sich um ein privat finanziertes Museum. David Walsh, der Besitzer, bezeichnete das Museum einst als „subversives Dinsneyland für Erwachsene“. Das MONA ist zu weiten Teilen unterirdisch und hat auch keine Fenster. Die Besucherinnen und Besucher werden mit einer scheinbar endlosen Treppenflucht konfrontiert. Eines der bekanntesten Exponate ist das Mural von Sidney Nolan, welches die Regenbogenschlange, die für die Ureinwohner Australiens von mythologischer Bedeutung ist, auf glaskeramischen Fliesen zeigt. Alle Tasmanier haben übrigens freien Eintritt in das Museum, und Menschen unter 18 sowieso. Das ist doch mal eine klasse Idee und wäre auch in Niedersachsen eine Überlegung wert, oder?
 
N wie Nationalpark
Wie oben erwähnt, gibt es in Tasmanien insgesamt 19 Nationalparks. Ich möchte einen Park etwas näher vorstellen: den Lake St Clair National Park. Wandern ist eine gute Möglichkeit, die wunderbare Landschaft des Parks zu bewundern. Es bietet sich an, auf dem Overland Track, einem Weitwanderweg, zu gehen, denn er wirbt mit unvergesslichen Aussichten auf Bergseen und majestätische Gebirge. Der Track ist 65 Kilometer lang und man sollte sechs Tage einplanen. Auf dem Weg gibt es Wasserfälle, Myrtenwälder und uralte Buchen zu entdecken, und auch Wallabys (die kleinen Kängurus), Wombats und Opossums werden immer wieder gesichtet. Am Ende des Tracks erreicht man den bezaubernden See St Clair. Erfahrene Wanderer können den Track allein gehen, aber es gibt auch organisierte Touren mit Reiseführer. Googlen Sie einfach mal nach Cradle Mountain Huts Walk.
Wer nicht so gerne wandert, der kann im Nationalpark Lake St Clair auch andere Aktivitäten unternehmen: So können sich Besucherinnen und Besucher zum Beispiel in einen Canyon abseilen lassen. Oder man erkundet den Pfad auf dem Pferderücken oder auf dem Quadbike.

Vielleicht haben diese Informationen Appetit gemacht auf eine Reise ans andere Ende der Welt? Tasmanien ist – so die Webseite der australischen Fluggesellschaft QUANTAS „klein in der Größe, aber riesig an Erlebnissen und Gegensätzen.“ Und QUANTAS sollte es wissen, denn einer der Mitbegründer der Airline, Sir Hudson Fysh, kam schließlich aus Tasmanien. Hoo roo (kg)