Travellog: Madeira

04.03.2019 - 10:28

Madeira, auch bekannt unter dem Namen „Blumeninsel im Atlantischen Ozean“ ist ein beliebtes Reiseziel- auch in unseren Wintermonaten, denn selbst zu dieser Zeit betragen die Tagestemperaturen in der Regel angenehme 20° Celsius und die Besucherinnen und Besucher können sich an der üppigen Pflanzen- und Blumenpracht erfreuen...

rchipels. Hier befindet sich auch die Hauptstadt Funchal. Zu der Inselgruppe gehört aber auch die Insel Porto Santo. Diese liegt gut 40 Kilometer nordöstlich der Hauptinsel und ist vergleichsweise trocken. Hier gibt es u.a. einen Sandstrand, der sich über neun Kilometer erstreckt. Dies ist erwähnenswert, denn die Hauptinsel ist nicht wirklich eine Strandinsel, wie man sie sich vorstellt. Die wenigen Strände, die es gibt, bestehen nämlich in der Regel aus Kieselsteinen. Aber keine Sorge: auf Madeira gibt es fast unzählige Pools, die zum Baden einladen und das sogenannte Piscinas do Gomes, ein kleines Naturschwimmbecken direkt am Meer mit Meerzugang, ist z.B. mein Favorit. Insgesamt wohnen etwa 250.000 Madeirer auf den eben genannten Inseln. Mehrere kleine Inseln der Inselgruppe liegen zudem etwa 20 Kilometer südöstlich der Hauptinsel: die Ilhas Desertas. Sie stehen seit 1990 unter Naturschutz und dürfen ausschließlich von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern betreten werden. Gut 300 Kilometer südlich – quasi vor der Haustür der Kanarischen Inseln - liegen zudem noch fünf unbewohnte Inseln, die auch zum Arquipélago de Madeira gehören.

Bezug zu Portugal

Das Archipel Madeira gehört offiziell zu Portugal und die Menschen sprechen auch Portugiesisch. Allerdings besitzt die Inselkette seit der Nelkenrevolution im Jahre 1974 ein hohes Maß an Autonomie. Seit 1976 gibt es z.B. eine eigene Regierung und ein Parlament. Jedes Jahr am 1. Juli feiern die Madeirenser ihre erkämpfte Autonomie. Der derzeitige Präsident der Regionalregierung ist Miguel Albuquerque, der zuvor für viele Jahre der Bürgermeister von Funchal war. Da Madeira aber nicht komplett unabhängig ist, ist das Archipel Mitglied der Europäischen Union.

Relief und Landwirtschaft

Die Insel Madeira ist sehr gebirgig und der Pico Ruivo (Rote Spitze) ist mit 1.862m die höchste Erhebung der Insel. Im Westen gibt es eine große und im Osten eine kleine Hochfläche (Paùl da Serra bzw. Santo António da Serra). Sowohl im Süden als auch im Norden der zentralen Gebirgskette findet man beeindruckende, von steilen Felswänden umschlossene Talkessel mit Mündungen zum Meer. Das Relief der Insel stellt Landwirte vor große Herausforderungen und es war viel Arbeit, überhaupt Nutzflächen zu schaffen. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel haben im Laufe der Zeit viele Terrassen aufgeschichtet und kleine Äcker auf den einzelnen Ebenen angelegt. Da die Bearbeitung mit Tieren und Maschinen nicht möglich ist, müssen die Bauern ohne diese Hilfsmittel arbeiten. Um die Bewässerung zu gewährleisten wurde ein kunstvolles Netz von Bewässerungskanälen errichtet: die Levadas.

Levadas

Die Bewässerungskanäle führen Wasser aus dem regenreicheren Norden in den regenärmeren Süden der Insel Madeira. Sie wurden schon früh für die Bewässerung der Zuckerrohrfelder und für den Antrieb von Mühlen gebaut. Zunächst wurden Sklaven für den Bau eingesetzt. Ein Großteil der Levadas wurde allerdings erst um 1900 gebaut, als die Sklaverei in Portugal schon längst vorbei war. Heute dienen die Levadas nach wie vor der Bewässerung, aber auch der Stromgewinnung. Und natürlich sind die Levadas inzwischen auch in das Interesse der Besucherinnen und Besucher gerückt und man kann verschiedene Wanderungen entlang der Bewässerungskanäle unternehmen. Allerdings sind nicht alle Kanäle für jeden Wandersmann bzw. jede Wandersfrau geeignet, denn zum Teil sollte man sehr trittfest und schwindelfrei sein. Einen Eindruck der Levadas bekommt man z.B. im nachfolgenden Video, welches auch mit der Online-Ausgabe dieses Magazins verlinkt ist: https://www.youtube.com/watch?v=reOU0CqdSJc. Bemerkenswert im Zusammenhang mit den Levadas ist die Tatsache, dass die Verteilung des Wassers durch das sogenannte Levadarecht geregelt wird, um Streitigkeiten zwischen den Landwirten zu vermeiden. Sogenannte Lavadeiros kümmerten und kümmern sich um die Einhaltung der Verteilung sowie die Instandhaltung der Kanäle. Wenn man auf seinem Grundstück eine Quelle hat, dann verzichtet man auf die alleinige Nutzung des Wassers. Im Gegenzug muss man keine Unterhaltskosten für die Kanäle auf seinem Grundstück aufbringen.

Zuckerrohr

Der portugiesische König Duarte I. gab die Inselgruppe, die erst 1419 entdeckt wurde, 1433 Heinrich dem Seefahrer zum Lehen. Dieser warb portugiesische Siedler an und brachte afrikanische Sklaven auf die Inseln, die primär auf den Zuckerrohrplantagen arbeiteten und die Levadas anlegten. Heute gibt es auf Madeira zum Glück keine Sklaven mehr, aber auch das einst wirtschaftliche bedeutende Zuckerrohr ist so gut wie verschwunden. Es wird nur noch für die Herstellung der madeirensischen Spirituose Aguardente angebaut. Dem Zuckerrohr ist auch ein eigenes Museum gewidmet. Es befindet sich in Calheta an der Südküste der Insel.

Lorbeer

Die wohl berühmteste Pflanze auf Madeira ist der Lorbeer. Fast nirgendwo auf der Welt gibt es einen so großen zusammenhängenden Lorbeerwald, so dass die UNSESCO den „Laurisilva“ von Madeira vor nunmehr 20 Jahren zum Welterbe ernannt hat. In dem 15 000 Hektar großen Lorbeerwald leben viele Tier- und Pflanzenarten, die wie die Madeira Lorbeertaube oder das klitzekleine Goldhähnchen z.T. ausschließlich auf Madeira vorkommen. Der Lorbeerwald kann eine Höhe von 40m erreichen und die Baumkronen können ein geschlossenes Blätterdach bilden. Unter anderem einen Einblick vom Lorbeerwald vermittelt das Video https://www.youtube.com/watch?v=RXVkU0QqwbM, welches auch mit der Online-Ausgabe des Magazins verlinkt ist.

Fenchel

Fenchel gab Funchal, der Hauptstadt Madeiras, den Namen, denn zur Zeit der Entdeckung der Inselkette im 15. Jahrhundert war der Gewürzfenchel weit verbreitet. Die portugiesischen Seefahrer waren angeblich von dem Duft des Fenchels so angefixt, dass sie die Stadt danach benannt haben. Die Madeirenser nutzen den Fenchel auch heute noch zum Würzen von Speisen und zur Herstellung von Bonbons.

Eukalyptus

Auch Eukalyptusbonbons werden auf Madeira produziert und man kann einen Ausflug in die Eukalyptuswälder machen, die in Höhen von etwa 800m wachsen. Die Bäume sind auf Madeira nicht heimisch und kommen ursprünglich aus Australien. Im 20. Jahrhundert hat man die Eukalyptuswälder auf Madeira angepflanzt, da sie sehr schnell nachwachsendes Holz liefern. Für Wanderinnen und Wanderer ist es schön, wenn der Wald durch seinen typischen Eukalyptusduft wie ein Hustenbonbon riecht. Allerdings muss man auch bedenken, dass der Eukalyptus jeden Tag bis zu 500 Liter (!) Wasser benötigt und sich die Wurzeln bis fast 20m tief in den Boden graben. Den anderen Pflanzen, z.B. den Lorbeerbäumen, steht aus diesem Grunde nicht immer ausreichend Wasser zur Verfügung und der Grundwasserspiegel sinkt. Zudem verhindert das Laub, welches ätherische Öle aufweist, dass unter den Bäumen andere Pflanzen wachsen; und die Blätter des Eukalyptus können von Tieren – außer von den australischen Koalabären –nicht gegessen werden. Zudem brennen Eukalyptusbäume wie Zunder, was bei Waldbränden sehr problematisch ist.

Schwarzer Degenfisch

Der Espada preta, der Schwarze Degenfisch, ist ein wichtiger Speisefisch auf Madeira. Es handelt sich dabei um einen schuppenlosen, aalähnlichen Fisch, der in der Tiefsee lebt und bis zu zwei Meter lang werden kann. Der Kopf macht etwa 16% der Gesamtlänge aus. Tagsüber schwimmt der eher farbig schillernde Degenfisch in Tiefen unter 1.000 m; nachts steigt er auf etwa 800m Tiefe auf und wird dann mit langen Angelleinen gefangen. Beim Auftauchen sinkt der Wasserdruck und der Fisch verliert – sorry, jetzt wird es unschön - durch das Aufplatzen von Kiemen, Schwimmblase und Augen seine schöne Farbe. Die Haut verfärbt sich und wird schwarz.

Museen

Das Archipel Madeira verfügt über zahlreiche Museen, von denen ich einige etwas genauer vorstellen möchte: Für Fußballfans gibt es z.B. das CR7 Museum, welches die Lebensgeschichte von Cristiano Ronaldo aufzeigt. Zudem werden über 100 Trophäen des Fußballprofis, der auf Madeira das Licht der Welt erblickte, ausgestellt. Das Museum gibt es seit nunmehr fünf Jahren und man findet es direkt in Funchal. Nicht nur Ronaldo sondern auch Chirstoph Kolumbus lebte eine Zeitlang auf dem Archipel. Nach seiner Hochzeit mit Filipa de Moniz, Tochter des ersten Generalkapitäns von Porto Santo, zog er auf die Insel Porto Santo. Sein Wohnhaus ist seit 1989 ein Museum und informiert u.a. über die portugiesische Seefahrt und das Leben und Wirken von Christoph Kolumbus. Im Osten von Madeira, im Fischerdorf Carnical, gibt es ein Walmuseum, denn früher spielte der Walfang für die Bewohnerinnen und Bewohner der Inselgruppe eine große Rolle. Das Museum zog 2011 in ein neues Gebäude und gilt als ein innovatives Museum mit einer großen Sammlung von Utensilien, Modellen und Filmen. Ein besonders fotogenes Museum ist das Leuchtturmmuseum Ponta do Pargo. Es befindet sich ganz im Westen von Madeira in einem spektakulären Leuchtturm. Aber es gibt auch ein Stickereimuseum, ein Elektrizitätsmuseum, ein Weinmuseum, ein Militärmuseum, ein zeitgenössisches Kunstmuseum, ein Naturkundemuseum, ein Ethnografiemuseum, ein Spielzeugmuseum und diverse andere Museen, so dass vermutlich für jeden Besucher bzw. jede Besucherin etwas dabei ist.

Tourismus und Transport

Die ersten Touristen auf Madeira waren sehr wohlhabend; reiche Gicht- und Tuberkulosekranke fuhren nach Madeira, um im milden atlantischen Klima Heilung zu suchen, und europäische Adlige fanden es Schick, auf Madeira zu überwintern. Sie wohnten in den sogenannten Quintas, einheimischen Herrenhäusern und Landsitzen, die mit samt Möbeln und Dienerschaft gemietet wurden. Die wohl berühmteste Person, die aus gesundheitlichen Gründen eine Zeitlang auf Madeira lebte, ist die österreichische Kaiserin Sisi. Die ersten Touristen wurden übrigens zum Teil von jeweils zwei Männern in Hängematten, sogenannten Reden, über die Insel getragen. Diese Zeiten sind allerdings heute vorbei. Aber eine andere ulkige Art der Fortbewegung gibt es dennoch: den Korbschlitten. Viele Besucherinnen und Besucher fahren zunächst mit einer Gondel von Funchal nach Monte. Die Fahrt mit der Teleférico ist schon spektakulär, denn die Kabinen sind v.a. aus Glas und bescheren atemberaubende Blicke. Aber die Rückfahrt mit dem Korbschlitten nach Livramento ist sicherlich mindestens genauso atemberaubend, denn man rutscht in einem Korbschlitten, der von zwei weißgekleideten Korbschlittenfahrern geführt und gesteuert wird, die Straßen des Berges hinunter. Einen Einblick gibt das Video https://www.youtube.com/watch?v=VHKH0Kv1DAs. Auch diesen Link können sie in der Onlineausgabe des Magazins einfach anklicken und sie gelangen direkt zu dem Bildmaterial.

Es gibt wirklich viele gute Gründe, das Archipel Madeira zu besuchen und ich möchte die wichtigsten Gründe noch einmal abschließend zusammenfassen: Neben dem Klima, der Flora und den Wandermöglichkeiten sind es auch die spektakuläre Natur, die schönen kleinen Orte, die zahlreichen Museen sowie auch die Tatsache, dass die Insel infrastrukturell gut erschlossen ist, die einen Besuch auf Madeira lohnenswert macht. Man kann Madeira ganzjährig besuchen, aber die beste Reisezeit ist zwischen Ende März und dem Spätherbst, denn dann muss man nicht unbedingt mit Regen rechnen. Dadurch, dass das Archipel in der gleichen Zeitzone wie Portugal liegt, beträgt der Zeitunterschied zu unserer Zeit nur -1 Stunde, was das Reisen zusätzlich erleichtert, da man nicht mit einem Jetlag rechnen muss. Wie wäre es mit einer Reise nach Madeira? Ich wünsche einen tollen Urlaub! (kg)