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2012 09

8 SOLsnap.com | OMAN • TRAVELLOG Was die Päpstin mit dem Oman zu tun hat.... Beschäftigt man sich heutzutage mit einem arabischen Land, so stößt man unweigerlich auf den arabischen Früh- ling. Niemand kann heute so richtig abschätzen wo das alles hinführt.Mög- licherweise wenden sich viele Länder nun vermehrt dem Islam zu, der das tägliche Leben stärker beeinflussen wird als bisher angenommen. AuchwennsichimOmannunüber40 Jahre der Sultan Kabus an der Macht hält, so ist es um die Frauen im Oman gut bestellt. Sie dürfen Auto fahren (im Gegensatz zu Saudi Arabien), allein ins Café gehen und auch mit männlichen Kollegen in der Kantine essen. Sie dür- fen sich anziehen wie sie wollen und so findet sich von Frauen in knappen Jeans bis hin zu Vollverschleierten al- les. All dies sind Errungenschaften der Emanzipation, die ja vor allem eines ist - anstrengend. Anstrengend für die Frauen, die sie durchsetzen müssen und anstrengend für die Männer, die die angestrengten Frauen aushalten müssen. Bei uns in Hameln vor der Haustür spielt gerade ein Lehrstück der Emanzipation in Form des Musi- cals „die Päpstin“. Ich hab das Buch gelesen und fand es anstrengend. Warum schreibt man als Frau ein Buch über Emanzipation im frühen Mittelal- ter, wo sich Johanna als Mann verklei- det, um in den Genuss von Bildung zu kommen (die es ja zumeist nur hinter den hohen Mauern der Mönchskloster zu finden gab in der damaligen Zeit)? Und warum riskiert sie dann alles um mit einem Mann zusammen zu sein? Dann gab es noch den Film von Sön- ke Wortmann, den fand ich auch an- strengend, weil er so furchtbar blutleer und langweilig war. Ich war also nicht wirklich begeistert davon, dass es das Ganze als Musical geben würde. Mit leichtem Widerwillen saß ich dann im Theater, weil doch - egal was man davon hält - so eine Produktion etwas ganz Besonderes für Hameln ist. Und was nützt das ganze Gejammer, dass hier nie was los ist, wenn man dann so etwas nicht unterstützt? Doch mei- ne Meinung änderte sich nach ein paar Minuten. Grandiose Darsteller, ein tolles Bühnenbild, schöne Musik und das alles in unserer kleinen feinen Stadt. Und so hatte ich die Geschichte nun auch nicht in Erinnerung. Denn die Produktion hat es geschafft nicht nur die Gräueltaten der Kirche zu be- leuchten, sondern alles in die „große“ Mittelaltergeschichte einzubinden. So erfahren wir von den Ränkespielen zwischen Kirche und Kaiser und dem Einfall der Normannen. Zu dem Zeitpunkt war das Christen- tum noch eine junge Religion und viele hingen noch den alten germa- nischen Göttern um Wotan an. Und so finden wir plötzlich im Theater Hameln germanische Raben, deren Geschichten Johanna von ihrer nicht christlichen Mutter gehört hat. Diese Raben treten immer wieder auf und beschützen sie vor dem Schicksal, was die katholische Kirche „eigentlich“ für Frauen bereit hielt. Insofern kam diese ganze Geschich- te eine völlig neue Wendung. Nicht nur die Gleichheit von Mann und Frau wurde beleuchtet, nicht nur der Hunger nach Wissen, der für alle Men- schen gleichermaßen zu befriedigen sein sollte, sondern auch das worum es im Leben wirklich geht: Toleranz. Die Toleranz aus dem Wissen was wir haben, das Beste für die Menschheit zu machen und vor allem für Jeden zugänglich-egalwelchenGeschlechts und Religion. Dieser Gedanke hat nicht nur im 9. Jahrhundert seinen Platz, sondern ist heute noch genau- so brandaktuell im Zeichen des ara- bischen Frühlings und den Chancen und Risiken, die sich daraus ergeben. Das Musical „die Päpstin“ sollte nicht auf Hameln und Fulda beschränkt blei- ben. Es sollte um die Welt reisen und uns alle lehren, wie wichtig Toleranz, Gleichheit und Bildung ist.Doch jeder Hamelner sollte sich diese wunderba- re Botschaft eigentlich nicht entgehen lassen! (ac)

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