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SOLsnap-Magazin August - Internet

Wer in den letzten zwei, drei Jahren ein- mal über eine Computermesse wie die Cebit geschlendert ist, der kam an einem Begriff nicht vorbei: Cloud. Angefangen von Bigplayern wie IBM oder Microsoft bis hin zum kleinen Startup-Unternehmen kommt kein Anbieter mehr an der Cloud vorbei. Konsequenterweise werden seit einiger Zeit auch Cloud-Lösungen für den Home-Bereich angeboten, die Unabhän- gigkeit von Internetverbindung, Daten- tarifen und vollständige Kontrolle über die eigenen Daten versprechen. Aber kann man sich als Privat-User wirklich eine eigene Cloud aufbauen? Um das zu beurteilen, schauen wir uns doch mal an, was hinter dem Begriff Cloud steckt. Hinter der metaphorischen Wolke steckt mehr als einfach nur ein Datenspeicher, der über das Internet erreichbar ist, vielmehr umschreibt das „Cloud Com- puting“ ein System von abstrahierten IT-Systemen, das dynamisch in Funktion und Kapazität an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden kann. D.h. eine Cloud besteht nicht nur aus Daten- speicher, sondern aus einer Vielzahl von Diensten, wie z.B. Benutzerverwaltung, Monitoring, Datenbanken, Kommunika- tionsdienste und mehr. Alle diese Dienste werden in fernen Rechenzentren und für den Benutzer „undurchsichtig“ bereit- gestellt - wie von einer Wolke verhüllt. Die Anbieter von Cloud-Lösungen kön- nen dem Anwender jetzt aus dem großen Pool von Diensten ein maßgeschneidertes Paket anbieten. Nehmen wir als Beispiel die Apple iCloud: dort bekommt man als Anwender einen Mailservice, Kalender und Kontakte, sowie 5GB Speicherplatz zur Speicherung von Dokumenten, Fotos und Backups aus bestimmten Anwendun- gen heraus. Eine freie Nutzung als Daten- laufwerk ist jedoch (noch) nicht möglich. Wer mehr Speicher will, kann den frei- en Dienst kostenpflichtig aufstocken. Im Gegensatz dazu gibt es Dienste wie z.B. Dropbox, die sich auf die Bereitstellung und Synchronisation von Datenspeicher (beliebige Dokumente, Fotos, usw.) spe- zialisieren, dafür aber in der Verwendung des Speicherplatzes nicht beschränkt sind. Auch hier gilt: ein Basiskontingent gibt es umsonst, wer mehr will, muss bezahlen. Aber gerade Privat-Anwender schrecken vor den Bezahl-Modellen zurück und in- vestieren lieber einmalig in den eigenen Datenspeicher als sich mit monatlichen Gebühren an einen Anbieter zu binden. Und genau für dieses Klientel sind die sogenannten „Personal Cloud“-Systeme gedacht. Kleine und leise Netzwerkspei- cher, die mit ihrer abgespeckten Hard- ware wenig Strom verbrauchen und sich kostengünstig auf mehrere Terabyte Ka- pazität aufrüsten lassen, werden über integrierte Betriebssysteme zur persönli- chen Mini-Cloud. Die kleinen Kästchen lassen sich kom- fortabel über einen Browser steuern und über Plugins lassen sich Funktio- nen wie ein iTunes-Server, Webserver, Mailserver, Backup, Verzeichnisdienste oder Kalender leicht und ohne grosse Administrationskenntnisse einbinden. Dank dynamischer DNS-Dienste und in- tegrierter Firewall lässt sich das eigene Wölkchen auch über das Internet errei- chen, passende Apps für’s Smartpho- ne bietet jeder Hersteller kostenlos an. Wem die fertigen Systeme von Herstel- lern wie Synology oder QNAP nicht fle- xibel genug sind, der kann auch seinen eigenen Server aus der PC-Bastelkiste zusammen bauen und den Cloud-Server selbst installieren. Das Netz bietet eini- ge OpenSource Projekte, wie z.B. own- Cloud, Seafile oder SparkleShare, die jeden PC mit etwas Konfigurationsauf- wand eine Personal Cloud verwandeln. Aber auch wenn der eigene Cloud-Server den professionellen Anbietern in Sachen Funktionsumfang fast nicht mehr nach- steht, sollte man eines nicht vergessen: Hinter Apple, Microsoft, Dropbox und Co. steckt ein enormer Aufwand, der die Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit der Systeme gewährleistet. Dafür ist man zuhause selbst verantwortlich und sollte immer im Hinterkopf behalten, dass eine moderne Festplatte vom Hersteller mit ei- ner Lebensdauer von drei bis fünf Jahren angegeben ist… Der Autor Martin Stöhr ar- beitet seit 1997 als Dozent für pri- vate Akademien und unterrichtet im Schwerpunkt Betriebssysteme, Netzwerke und Programmierung. Von Anfang an gehörten Webhosting, Webprogram- mierung und Datenbankdesign zu seinen Spezialgebieten. Als zertifizierter Apple- Trainer und Programmierer unterstützt er die SOL seit mehreren Jahren und ist seit 2013 fest angestellter Mitarbeiter. Wolken im Wohnzimmer Personal Cloud-Systeme für den Privathaushalt INTERNET | SOLsnap.com14

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